Zerebrale Bewegungsstörungen
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Was bedeutet Zerebrale Bewegungsstörung?
Bewegungsstörungen bei Kindern können durch Krankheiten der Muskeln, der peripheren Nerven, des Rückenmarks oder des Gehirns verursacht werden. Liegt die Ursache der Bewegungsstörung im Bereich des Gehirns, spricht man von zerebralen Bewegungsstörungen. Meist handelt sich es um eine Schädigung des Gehirns, die früh, d.h. während der Schwangerschaft, während der Geburt (selten!) oder in den ersten Lebensjahren entstanden ist. Dann spricht man von einer sog. Zerebralparese. Damit drückt man aus, daß die Schädigung des Gehirns abgeschlossen ist. Zerebralparesen sind mit Abstand die häufigsten Bewegungsstörungen bei Kindern. Daneben gibt es auch fortschreitende Krankheiten des Gehirns (z.B. bei Stoffwechselkrankheiten), die zu einer Verschlechterung führen. Glücklicherweise sind diese sehr selten. Später erworbene Schäden des Gehirns, z.B. durch Unfälle oder Entzündungen, können ebenfalls zu zerebralen Bewegungsstörungen führen. Hauptmerkmal der zerebralen Bewegungsstörungen sind Störungen der Körperhaltung und der Beweglichkeit. Meist fallen die Kinder durch eine verzögerte motorische Entwicklung auf. Daneben ist aber auch die Bewegungsqualität auffällig, d.h. die Kinder bewegen sich ungeschickt oder die Bewegungsabläufe wirken steif, überschießend oder unsicher.
Welche Formen von Zerebralparese gibt es?
Bei der Zerebralparese unterscheidet man verschiedene Formen. Dies richtet sich danach, welche Körperteile betroffen sind und welche Symptome im Vordergrund stehen. "Parese" bedeutet "Schwäche". Tatsächlich haben alle Kinder mit Zerebralparese eine Muskelschwäche. Diese kann sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Eine vollständige Lähmung kommt nur ganz selten vor. Bei den meisten Kindern besteht zusätzlich eine Spastik. Spastik bedeutet, daß die Muskelspannung (Tonus) erhöht ist. Dies spürt man, wenn man die Kinder passiv bewegt (z.B. beim An- und Ausziehen). Typisch für die Spastik ist, daß die Muskelspannung zunimmt, wenn man die Kinder bewegt oder wenn sie sich selbst bewegen. Daneben gibt es Kinder mit vermehrten unwillkürlichen Bewegungen (Chorea, Athetose, Dystonie u.a.). Diese Kinder führen überschießende Bewegungen aus, die sie selbst nur schwer kontrollieren können. Daneben gibt es häufig Mischformen. Diparese bedeutet, daß hauptsächlich die Beine betroffen sind, weniger die Arme. Bei einer Paraparese sind nur die Beine betroffen, bei einer Tetraparese Arme und Beine gleichmäßig. Hemiparese heißt, daß nur eine Körperhälfte betroffen ist, manchmal mehr der Arm, manchmal mehr das Bein.
Welche Untersuchungen sollten bei Kindern mit Zerebralparese oder anderen Bewegungsstörungen durchgeführt werden?
In vielen Fällen ist die Ursache der Bewegungsstörung bekannt. Häufige Ursache ist z.B. eine Schädigung der weißen Hirnsubstanz (periventrikuläre Leukomalazie) bei ehemaligen Frühgeborenen, meist bereits vor der Geburt erworben. Die Schädigung des Gehirns kann meistens mit einer Kernspintomographie gut dargestellt werden. Wenn die Ursache einer Bewegungsstörung unbekannt ist, ist es sehr wichtig, genaue Untersuchungen durchzuführen. Ganz selten gibt es Erkrankungen, bei denen die Kinder sich weitgehend normal bewegen können, wenn sie mit bestimmten Medikamenten behandelt werden (z.B. Dopa-sensitive Dystonie). Bei allen anderen Kindern wird man die Symptome behandeln, z.B. die Spastik.
Wie behandelt man Kinder mit Zerebralparese oder anderen zerebralen Bewegungsstörungen?
Grundsätzlich
ist zu beachten, daß Kinder mit zerebralen Bewegungsstörungen sehr
unterschiedliche Probleme haben können. Auch können Sie sehr unterschiedlich
stark betroffen sein. Dementsprechend unterscheidet sich auch die Behandlung,
d.h. eine Behandlung, die sich bei einem Kind gut bewährt hat, kann bei einem
anderen Kind völlig wirkungslos sein. Häufige Behandlungsformen bei Spastik sind
der nebenstehenden Grafik zu entnehmen. Bitte klicken Sie auf die entsprechenden
Felder oder die unten stehenden Links, um mehr Informationen zu erhalten.
Physiotherapie
bei Bewegungsstörungen
Orthesen bei Bewegungsstörungen
Hilfsmittel bei Bewegungsstörungen
Gipsbehandlung bei Spastik
Behandlung der Spastik mit Medikamenten
Behandlung der Spastik mit Botulinumtoxin
Orthopädische Operationen bei
Bewegungsstörungen
Baclofen-Pumpe bei Spastik
Oft ist die Vielfalt der Behandlungsangebote verwirrend. Hier gilt: Es gibt zuviele Angebote und die Kindheit ist zu kurz, um alles auszuprobieren. Eltern sollten sich Fachleute suchen, die sie beraten, und mit denen sie besprechen können, was für ihr Kind in Frage kommt. Sie sollten sich auch selbst ein Bild machen. Leider gibt es auch viele unseriöse Angebote. Unseriös sind z.B. alle Angebote, die eine "Heilung" versprechen.
Die Behandlung von Kindern mit Zerebralparese oder anderen zerebralen Bewegungsstörungen erfordert sehr viel Ausdauer und Durchhaltevermögen. Andererseits kann sich aber auch ein Überangebot von Therapie ungünstig auswirken. Viel wichtiger als alle Therapien sind für Kinder mit Bewegungsstörungen eine liebevolle Zuwendung und die Einbindung in ein entspanntes Familienleben und in Gruppenaktivitäten mit anderen Kindern.
Häufig haben Kinder mit Bewegungsstörungen noch zusätzliche Probleme, z.B. Störungen der Wahrnehmung, des Sehens, des Gehörs (selten), der Intelligenz oder eine Epilepsie. Manchmal kann die Behandlung dieser Störungen oder die Auswahl eines geeigneten Kindergartens oder einer geeigneten Schule wichtiger sein als die Behandlung der Bewegungsstörung.
Wie sind die Langzeitaussichten bei Zerebralparese oder anderen zerebralen Bewegungsstörungen?
Nur in wenigen Ausnahmefällen steht eine Behandlung zur Verfügung, die bereits an der Ursache der Bewegungsstörung ansetzt (z.B. Dopa-sensitive Dystonie). Bei allen anderen Kindern ist mit bleibenden Einschränkungen zu rechnen, die aber durch die oben genannten Maßnahmen günstig beeinflußt werden können. Selbstverständlich kann die Schädigung des Gehirns nicht rückgängig gemacht werden. Bei einer Bewegungsstörung mit Spastik kommt es im Lauf der Jahre fast immer zu Verkürzungen bestimmter Muskeln (z.B. Wadenmuskulatur), manchmal auch zu Schäden an den Gelenken (vor allem Hüftgelenk) oder bei schwer betroffenen Kindern zu Schäden an der Wirbelsäule (Skoliose). Durch intensive Behandlung mit den oben genannten Methoden können diese Veränderungen abgeschwächt oder verzögert, meist aber nicht völlig verhindert werden. Insbesondere bei starkem Längenwachstum (z.B. in der Pubertät) können diese Probleme verstärkt auftreten. Wenn solche Schäden eingetreten sind, können sie von erfahrenen Kinderorthopäden meist operativ behandelt werden. Nach Abschluß des Längenwachstums erleben viele Patienten eine Stabilisierung ihres Befindens.
Trotz all dieser Probleme können Kinder mit Zerebralparese ein glückliches Leben führen. Manche sind sogar zufriedener als gesunde Kinder und überraschen damit ihre Mitmenschen. Hilfreich sind die zahlreichen Unterstützungsmöglichkeiten, so daß niemand mit seinen Problemen allein gelassen wird.
Dr. Martin Häußler
Kinder- und Jugendarzt
mit Schwerpunkt Neuropädiatrie
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Besonderheiten bei Kindern mit Spastischer Hemiparese (einseitige Spastik)
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Links
Patienteninformation zur Zerebralparese der Universität Aachen
Leitlinie zur Zerebralparese der Deutschen Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin
Sozialpädiatrisches Zentrum Frühdiagnosezentrum Würzburg [Home]