Gipsbehandlung (Therapiegips)
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Was kann man mit einem Therapiegips erreichen?
Bei fast allen Kindern mit spastischen Bewegungsstörungen kommt es im Laufe des Wachstums zur Verkürzung bestimmter Muskeln. Diese lässt sich meist nicht aufhalten, so dass bei vielen Kindern schließlich muskelverlängernde Operationen durchgeführt werden müssen. Man versucht jedoch, diese Muskelverkürzungen möglichst zu verzögern, damit Operationen erst dann durchgeführt werden müssen, wenn die Kinder älter sind. Eine Verzögerung der Muskelverkürzung ist durch regelmäßiges Dehnen der Muskeln möglich. Außerdem können hierzu Therapiegipse eingesetzt werden. Meist werden diese am Unterschenkel angelegt, um die Wadenmuskulatur zu dehnen und eine Spitzfußhaltung zu verbessern. Während der Gipsbehandlung können sich die Muskelfasern etwas verlängern. Außerdem bewirken die Therapiegipse, dass die Muskelspannung etwas nachlässt, so dass die Muskulatur wiederum besser gedehnt werden kann.
Häufig werden Therapiegipse im Zusammenhang mit einer Botulinumtoxin-Behandlung angelegt. Dann erreicht man mit der Botulinumtoxin-Behandlung zunächst eine Lockerung der Muskulatur, um anschließend in bestmöglicher Dehnung der Muskulatur den Gips anlegen zu können. Es ist daher sinnvoll, den Gips in den ersten Wochen nach der Botulinumtoxin-Behandlung anzulegen, d.h. wenn die Muskulatur locker ist.
Wenn bereits eine ausgeprägte Muskelverkürzung vorliegt, ist eine Gipsbehandlung oft nicht mehr möglich.
Wie kann man ein Kind auf eine Gipsbehandlung vorbereiten?
Die meisten Kinder kommen mit dem Anlegen und Tragen der Gipse sehr gut zurecht. Hilfreich ist es, bei der Vorbereitung des Kindes nicht von einem „Gips“ zu sprechen, da sich viele Kinder darunter nichts vorstellen können. Günstiger ist es, z.B. von einem Stiefel zu sprechen. Häufig wird für den Gipsverband Kunststoff verwendet. Diese Kunststoffgipse (siehe Bild oben) sind sehr leicht, bunt und werden von Kindern gut akzeptiert.
Wichtig für den Behandlungseffekt ist, dass das Kind mit einem Unterschenkelgips auch geht oder steht, d.h. der Gips wird schmutzig. Evtl. kann das Kind über dem Gips größere Schuhe oder alte Strümpfe anziehen. Für ältere Kinder gibt es in Orthopädiefachgeschäften auch spezielle Laufsohlen. Das Kind sollte eine weite Hose tragen, wenn der Gips angelegt wird, damit die Hose über den Gips an- und ausgezogen werden kann.
Die Anlage und das Aushärten des Gipses dauert ca. 45 Minuten. Die gesamte Behandlung ist nicht schmerzhaft.
Wie läuft die Behandlung ab?
Normalerweise werden nacheinander zwei Gipse angelegt, die jeweils 1-2 Wochen lang getragen werden. In Einzelfällen kann die Tragezeit auch kürzer sein. In der Regel sind jedoch mindestens zwei aufeinanderfolgende Gipse notwendig. Die Behandlung sollte möglichst nicht unterbrochen werden.
Die Wirkung der Gipsbehandlung hält einige Monate an. Da die Kinder unter dem Gips schwitzen können, ist es günstig, die Behandlung auf das Winterhalbjahr zu legen.
Selbstverständlich muss der Gips sofort entfernt werden, wenn das Kind starke Schmerzen hat oder sich die Haut unterhalb des Gips blass oder blau verfärbt. Damit muss man aber nicht rechnen. Selten kann es bei sehr hoher Muskelspannung durch das Tragen der Gipse zu Druckstellen kommen, die dann Beschwerden verursachen. Wenn der Eindruck besteht, dass das Kind solche Beschwerden hat, sollte der behandelnde Arzt befragt werden. Evtl. muß der Gips dann entfernt werden. Kunststoffgipse können sehr leicht entfernt werden.
Selbstverständlich geht das Kind mit dem Gips anders, als man es gewohnt ist, oft etwas schlechter. Dies spielt aber keine Rolle. Behandlungsziel ist ja, dass das Kind nach dem Ablegen der Gipse besser geht und steht. Wichtig: Wenn das Kind normalerweise geht oder steht, sollte es auch mit dem Gips gehen bzw. stehen. Dies ist wichtig für die Wirkung der Behandlung. Der Gips soll keine Ruhigstellung bewirken!
Welche Probleme können sonst noch auftreten?
Häufig gehen Kinder nach der Abnahme der Gipse etwas unsicher, da sie die Muskellockerung noch nicht gewohnt sind. Dies bessert sich aber nach wenigen Tagen. Selten kann es auch vorkommen, dass die Kinder das betroffene Bein schonen. Auch in diesem Fall kommt es nach einigen Tagen zu einer Rückbildung der Schonhaltung.
Insgesamt handelt es sich bei den Therapiegipsen um eine sehr wirksame und gut erforschte Behandlungsmethode.
Behandlungsbeispiel
| 4-jähriger Junge mit spastischer Hemiparese rechts. Spitzfuss rechts. |
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| Gleicher Junge nach Gipsbehandlung. Gute Korrektur des Spitzfuss rechts. |
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